Montag, 29. Mai 2006
Angebote
Gestern bekam ich Liebe angeboten und lehnte ab. Heute bin ich traurig darüber, weiß aber dass es die richtige Entscheidung war. Morgen bekomme ich Geld und kaufe mir Turnschuhe. Frage mich, warum ich immer alle Namen und wichtiges vergesse und erinnere mich an den Dj letzte Woche, den fand ich sexy. Denke über den Wert meiner Arbeit nach während ich über 5000 Tausend Toten lese verwerfe ich den Gedanken mit den Turnschuhen wieder und habe ein schlechtes Gewissen. Kaufe nur noch Pfandflaschen und verzichte auf Plastiktüten. Von Politik habe ich wenig Ahnung und wenn ich die Zeitung lese, vergesse ich das meiste sofort wieder. Es gibt lange Phasen, an denen ich nichts lesen kann, weil ich es nicht ertrage und mich die Bilder sofort überfallen und verschlingen. Dann bekomme ich keine Luft mehr und fühle ich wie gelähmt. Es hilft im Bett zu liegen und an die Decke zu schauen und Musik. Gedanken darüber, wie die Revolte aussehen könnte führen auch zur Lähmung. Manchmal laufe ich durch die Straßen ohne Irgendetwas zu sehen und bin auf einmal da, wo ich hinwollte, ohne es gemerkt zu haben. Letztens stand ich in einem Schwung fahrender Autos die wie wild hupten, dann war ich plötzlich wach. Ganz oft ist alles komplementär und dann frage ich mich, wo das Problem eigentlich liegt, während ich über die nächsten Toten und den Artikel über Hartz IV lese. Morgen werde ich wieder ein Jahr älter. Irgendetwas muss passieren, aber wir wissen nicht wie und was.

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Acryl



Ich nahm mir vor regelmäßiger die Zeitung zu mir zu nehmen und konnte schon nach wenigen Tagen nicht mehr unterscheiden welche Bomben wo fielen und dachte an die vielen Mütter, Schwestern, Brüder, Tanten und Onkels wie Sie um Ihre Kleinen und Großen weinten, sich der ehemaligen Kleinheit und Zartheit erinnernd. Schnell ablaufende Filme durch das Hirn ratternd, unaufhaltsame unkontrollierte Schnellzüge mit metallenem, harten Geräusch rasen mit ohrenbetäubendem Lärm durch die Kurven und dann Lähmung. Die Erde öffnete ihren Schlund, und Sie schrie Papa. ich stand auf dem Rande eines großen Bleicheimers mit Farbe, rot. An der Aussenseite befanden sich festgetrocknete Schlieren der Farbe, glänzend. Ausgehärtet und zeigten, an welchen stellen die Farbe irgendwann einmal ausgeschüttet worden war. Es war schwer das Gleichgewicht zu halten, da der Rand des Bleicheimers sehr schmal war, schmal und leicht abgerundet an den Ecken, an denen das Blech umgebogen war. Trotz des Tragens von Turnschuhen schmerzten die Fußsohlen an den Stellen, an denen sich das Blech durch die Schuhsohlen drückte. ich konnte das Gleichgewicht nur durch ein ausgleichen mit den Armen halten, leicht wankend. Wenn ich mich konzentrierte und tief in den Bauch atmete stand ich ruhig und fühlte mich unter Kontrolle. Sobald Angst aufkam, ich könnte vornüberkippen, begann ich das Gleichgewicht zu verlieren. Vor mir zähe, verlockend glänzende Acrylfarbe, scharfer Geruch. Dachte mir einen seidenen Faden aus der Scheitelmitte meines Kopfes in den Himmel und sprang. Der Faden hielt und ich konnte mich mit Leichtigkeit auf die andere Seite des Eimers hinüberschwingen um mich dann, Herzklopfend, mit den Händen am Rande des Eimers festhalten. Zog mich mit letzter Kraft meiner Arme an der Blechwand hoch und meinen Körper in die Höhe, bevor ich mein rechtes Bein auf die Kante schwang, schleuderte das linke Bein hinterher und sprang 10 Meter in die Tiefe. Rannte so schnell ich konnte, Füße taub vom Aufprall, im Nacken das Gefühl, mich nicht mehr umdrehen zu dürfen, weg durch flaches Land. Als ich einschlief, befand ich mich im Leben, und nicht umgekehrt.

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