Montag, 29. Mai 2006
Acryl



Ich nahm mir vor regelmäßiger die Zeitung zu mir zu nehmen und konnte schon nach wenigen Tagen nicht mehr unterscheiden welche Bomben wo fielen und dachte an die vielen Mütter, Schwestern, Brüder, Tanten und Onkels wie Sie um Ihre Kleinen und Großen weinten, sich der ehemaligen Kleinheit und Zartheit erinnernd. Schnell ablaufende Filme durch das Hirn ratternd, unaufhaltsame unkontrollierte Schnellzüge mit metallenem, harten Geräusch rasen mit ohrenbetäubendem Lärm durch die Kurven und dann Lähmung. Die Erde öffnete ihren Schlund, und Sie schrie Papa. ich stand auf dem Rande eines großen Bleicheimers mit Farbe, rot. An der Aussenseite befanden sich festgetrocknete Schlieren der Farbe, glänzend. Ausgehärtet und zeigten, an welchen stellen die Farbe irgendwann einmal ausgeschüttet worden war. Es war schwer das Gleichgewicht zu halten, da der Rand des Bleicheimers sehr schmal war, schmal und leicht abgerundet an den Ecken, an denen das Blech umgebogen war. Trotz des Tragens von Turnschuhen schmerzten die Fußsohlen an den Stellen, an denen sich das Blech durch die Schuhsohlen drückte. ich konnte das Gleichgewicht nur durch ein ausgleichen mit den Armen halten, leicht wankend. Wenn ich mich konzentrierte und tief in den Bauch atmete stand ich ruhig und fühlte mich unter Kontrolle. Sobald Angst aufkam, ich könnte vornüberkippen, begann ich das Gleichgewicht zu verlieren. Vor mir zähe, verlockend glänzende Acrylfarbe, scharfer Geruch. Dachte mir einen seidenen Faden aus der Scheitelmitte meines Kopfes in den Himmel und sprang. Der Faden hielt und ich konnte mich mit Leichtigkeit auf die andere Seite des Eimers hinüberschwingen um mich dann, Herzklopfend, mit den Händen am Rande des Eimers festhalten. Zog mich mit letzter Kraft meiner Arme an der Blechwand hoch und meinen Körper in die Höhe, bevor ich mein rechtes Bein auf die Kante schwang, schleuderte das linke Bein hinterher und sprang 10 Meter in die Tiefe. Rannte so schnell ich konnte, Füße taub vom Aufprall, im Nacken das Gefühl, mich nicht mehr umdrehen zu dürfen, weg durch flaches Land. Als ich einschlief, befand ich mich im Leben, und nicht umgekehrt.

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